Sorry, aber mein Kind ist kein Erziehungsprojekt“
Von außen sieht’s nach Chaos aus – von innen nach Freiheit.
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Ich hab da mal ’ne Frage:
Warum glauben eigentlich so viele Leute, sie müssten sich ungefragt in die Erziehung anderer einmischen?
Ist das ein Hobby? Ein Volkssport? Oder einfach chronische Langeweile?
Du stehst im Supermarkt, dein Kind hat einen schlechten Tag (aka: es ist ein ganz normaler Mensch), und zack – da ist sie, die Erziehungs-Polizei.
Augenbrauen hochgezogen wie die Benzinpreise, der Blick sagt mehr als jede Schlagzeile in der Bild-Zeitung:
„Na, da hat aber jemand die Erziehung nicht im Griff.“
Danke, Margot. Du hast gerade deinem Einkauf mehr Bedeutung gegeben, als mein Kind deinem Blick.
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„Früher war das aber anders.“ – Ja, und früher war auch Blei im Benzin.
Wenn’s nach der vorzeige Karen geht, sollte die Kurze längst Klavier spielen, bitte alle Erwachsenen freundlich siezen und selbstverständlich nicht widersprechen, wenn ein Erwachsener dummes Zeug redet.
Kind soll bitte funktionieren – freundlich, angepasst, still und lächelnd.
Ach so, und am besten keine Meinung haben.
Denn Meinungen sind frech. Gefühle sind unpraktisch. Und Ausraster peinlich.
Tja. Pech.
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Mein Kind ist keine Trophäe. Kein Beweisstück. Keine Vorzeige-Zucht.
Ich zieh keine Show ab, um beim Elternabend Applaus zu kassieren.
Ich erziehe ein Kind – kein IKEA-Regal mit Aufbauanleitung.
Wenn mein Kind mal rumschreit oder bockt, ist das kein Versagen.
Das ist Alltag.
Das ist Entwicklung.
Das ist fucking NORMAL.
Was nicht normal ist:
Dass fremde Leute glauben, sie müssten mein Kind und meine Erziehung bewerten, als wären wir bei „Deutschland sucht das Super-Kind“.
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Ich erziehe für echte Stärke – nicht für Applaus.
Was ich will?
Ein Kind, das weiß, was es fühlt.
Das weiß, wo es Grenzen ziehen darf.
Das sich traut, „Nein“ zu sagen. Auch zu Erwachsenen. Gerade zu Erwachsenen.
Ein Kind, das laut sein darf, wild sein darf, träumen darf, zweifeln darf, fühlen darf – ohne ständig bewertet zu werden.
Wenn das bedeutet, dass mein Kind einer Oma sagt, dass sie zu nah ist –
dann ist das kein Frechsein.
Das ist Selbstschutz.
Und ich bin verdammt stolz drauf.
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Also ja:
Mein Kind ist laut.
Mein Kind widerspricht.
Mein Kind diskutiert.
Und weißt du was?
GENAU SO SOLL’S SEIN.
Denn ich will keinen Roboter.
Ich will einen Menschen.
Einen echten. Mit Ecken, Kanten, Chaos und Herz.
Und dieser Mensch ist nicht dein Projekt.
Sondern mein größter Stolz.
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