ADHS bei Kindern: Alltag zwischen Wahnsinn und Wunderkind

 



Jeder, der ein Kind mit ADHS hat, kennt diese Sprüche:


„Früher gab’s das nicht!“


„Handys sind schuld!“


„Das ist doch nur eine Erziehungssache!“



Ja, klar. Früher gab’s auch keine Gurtpflicht, aber heute schnallt sich trotzdem keiner freiwillig mit einem Hosenträgergurt im Auto an. Natürlich gab es ADHS früher – nur hieß es damals halt „Zappelphilipp“ oder „Der muss sich einfach mal zusammenreißen“.


Aber schön, dass jeder, der einmal einen Artikel in der Apotheken-Umschau gelesen hat, jetzt ADHS-Experte ist.



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ADHS-Mythen, die wir jetzt endgültig begraben können


1. „Früher gab’s kein ADHS!“


Doch, Opa. Früher gab’s auch keine Impfung gegen Pocken, war auch nicht so geil.


ADHS gab es immer – früher wurden betroffene Kinder nur als „unruhig“, „Tagträumer“ oder „faul“ abgestempelt. Heute wissen wir: ADHS ist eine neurobiologische Besonderheit und kein Charakterfehler.


2. „ADHS kommt von Handys!“


Klar, weil Kinder mit ADHS vor 100 Jahren niemals Chaos angerichtet haben…


ADHS ist keine „TikTok-Krankheit“, sondern eine neurologische Sache. Wenn dein Kind Schwierigkeiten hat, sich zu konzentrieren, liegt das nicht an Instagram, sondern daran, dass sein Hirn anders verdrahtet ist.


3. „ADHS-Kinder sind schlecht erzogen!“


Ach ja? Dann erklär mir mal, wie man mit Erziehung ein Dopamin-Defizit im Gehirn ausgleicht.


Natürlich hilft eine klare Struktur. Aber ein ADHS-Kind „einfach strenger“ zu erziehen ist, als würdest du versuchen, einen Marathon mit Flipflops zu laufen – das Chaos bleibt, nur mit mehr Blasen.



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ADHS im Alltag: Wenn eine einfache Aufgabe zur Expedition wird


Jeder normale Haushalt hat eine morgendliche Routine.

Wir haben ein morgendliches Minenfeld.


Beispiel: Schuhe anziehen – ein Drama in sechs Akten.


1. 07:00 Uhr: „Zieh bitte deine Schuhe an.“



2. 07:02 Uhr: Kind läuft los, bleibt dann stehen, weil es eine Fussel auf dem Teppich entdeckt hat.



3. 07:05 Uhr: „Warum hast du deine Schuhe noch nicht an?“ – „Ach ja, Schuhe…“



4. 07:07 Uhr: Du suchst die Schuhe. Einer ist im Bad, der andere hängt aus unerklärlichen Gründen am Treppengeländer.



5. 07:10 Uhr: Schuhe sind an. Jacke? Fehlanzeige.



6. 07:14 Uhr: Ihr verlasst das Haus – das Kind trägt jetzt eine Jacke, aber sie gehört nicht ihm.




ADHS ist, wenn du sagst: „Zieh deine Schuhe an“, und dein Kind fünf Sekunden später etwas ganz anderes macht, als wäre die Information nie angekommen.



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Praktische ADHS-Tipps, die wirklich helfen


1. ADHS-Kinder brauchen visuelle Anker – keine langen Erklärungen


„Zieh deine Schuhe an.“ → Hirn: 404 – Information not found.


✅ Besser:


Checklisten mit Bildern


Eieruhren oder Timer – weil ein sichtbarer Countdown das Hirn „klick“ machen lässt



2. Bewegung ist keine Ablenkung – sie ist der Schlüssel


Lass dein Kind mit dem Fuß wackeln. Setz es auf einen Pezziball. Lass es Trampolinspringen vor den Hausaufgaben.


ADHS-Kinder brauchen Bewegung, um sich zu konzentrieren. Klingt komisch, ist aber so.


3. Große Aufgaben in kleine Häppchen zerlegen


„Mach deine Hausaufgaben.“ = „Bau bitte einen Airbus in der Küche.“


✅ Besser:


Erst eine Matheaufgabe, dann Pause


Erst das Spielzeug wegräumen, dann das Buch


Mini-Ziele + Timer = weniger Drama



4. Vergessen ist keine Faulheit – es ist Teil des Pakets


ADHS ist nicht „vergesslich sein“, sondern Nicht-Vergessen-KÖNNEN.


✅ Was hilft?


Dinge immer an den gleichen Ort legen


Erinnerungen schriftlich oder mit Symbolen


Wiederholungen – aber spielerisch, nicht durch 10-maliges Genervt-Rufen




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Fazit: ADHS-Kinder sind nicht schwierig – sie sind einzigartig


ADHS ist kein Trend. Kein Erziehungsfehler. Keine Erfindung der Pharmaindustrie. Es ist eine andere Art, wie ein Gehirn funktioniert.


Ja, es ist anstrengend. Aber es ist auch verdammt einzigartig.


Also, an alle Eltern da draußen, die mitten im Chaos stehen:


Ihr seid nicht allein.


Ihr macht das besser, als ihr denkt.


Und wenn euch das nächste Mal jemand sagt, dass „früher alles besser war“ – dann denkt daran:



Früher gab’s auch kein WLAN. War das besser? Eben.

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