Die Elternwelt - von Anna

 Die Elternwelt

Eine für mich relativ neu entdeckte Welt, deren Bewohner sich zum Teil kategorisieren lassen, in so genannte „Beige-Moms“, „Dinkeldörte“ und viele mehr. Ich hatte davon schon gehört, doch als ich es zum ersten Mal erlebte, konnte ich nicht verstehen, was da „abgeht".Mein Aufeinandertreffen mit anderen MamasEine Ankunft auf einem anderen Planeten – oder wo auch immer ich da gelandet war. Mein erster Gedanke war Flucht!So ungefähr 6 Wochen nach der Geburt startete der Rückbildungskurs. Zusammen mit anderen Müttern, die auch zur selben Zeit wie ich ein Baby zur Welt brachten. Das erste Mal war ich ohne mein Baby beim Kurs. Mein Baby blieb schlafend zu Hause bei meinem Mann. Da der Kurs maximal eine Stunde dauern sollte, ging ich also alleine los. Das erste Mal, nach Wochen, alleine das Haus verlassen. Bereits nach drei Minuten hatte ich schon Sehnsucht und Tränen in den Augen. Beim Kurs angekommen, wurde ich durch den Austausch und die Übungen relativ gut abgelenkt und die Übungen relativ gut abgelenkt und konnte mich darauf einlassen. Auch andere Mütter waren ohne Baby da und schienen gut klarzukommen. Zur nächsten Stunde ging ich mit Baby.


Es war einer dieser Morgen. Die Kleine hatte die Nacht zum Tag erklärt. So startete die Nacht um Mitternacht und endete um 9 Uhr morgens, was mir natürlich Zeitdruck machte. Vieles musste in kurzer Zeit unter einen Hut gebracht werden: anziehen, stillen, Baby wach werden lassen, kuscheln, Frühstück …!?Ich hatte absolut keine Routine, denn im Wochenbett lebten wir in den Tag, kannten keine Uhrzeiten und waren zu Hause, um auszuruhen und anzukommen. Trotz vorbereiteter Wickeltasche und eines Rucksacks mit Handtuch und Getränk für mich verflog die Zeit geradezu. Nachdem die Kleine wach war und ich sie so behutsam wie es ging in den Tag starten ließ, schnappte ich mir das erste beste Outfit von der Wäscheleine. Für mich eine Leggings und ein Shirt und für meine Kleine eine rote Hose mit weißen Punkten und ein Langarmshirt, gelb-grau gestreift. Nun, das war nicht gerade die Kleidung, die ich miteinander kombinieren würde, aber mit der Zeit im Nacken wurde es eben genau dieses Outfit. Kleidung ist schließlich Kleidung. Nachdem sie angezogen war, band ich mir, noch quasi ungekämmt, die Haare zu einem Zopf zusammen und wir gingen los. Natürlich waren wir schon fast spät dran. Ich versuchte, mich selbst zu beruhigen, indem ich mir sagte, dass die anderen Mamas meine Situation verstehen würden, denn sicher hätten sie ähnliche Morgen erlebt … oder doch nicht!?


Nun, theoretisch sind sie ebenso gerade erst aus dem Wochenbett draußen. Wahrscheinlich sehen sie ähnlich müde aus und fühlen sich genauso fertig.Wir beraten den Raum und wie der Zufall es so wollte, waren heute alle Babys anwesend. Und die Babys waren allesamt in Beige oder Pastellrosa gekleidet. Mein Baby stach heraus wie ein bunter Kanarienvogel. Die anderen Mamas hatten Flechtfrisuren, Nägel wie aus dem Nagelstudio und Kleidung, die in meinen Augen sehr neu aussah. Laut einigen Erzählungen schliefen ihre ebenso 7–10 Wochen alten Babys durch. Eines schlief sogar 12 h durch und das auch noch alleine … Ja, ne, ist klar!! Ich wollte gerne noch einmal auf Anfang zurück, denn es fühlte sich an wie in einem falschen Film. Ich selbst also quasi „lost in space" zwischen scheinbaren Vorzeigemamis. Ich fühlte mich ein wenig unwohl. Doch als wir unsere Fragen an die Hebamme stellten und unsere Situationen schilderten, stellte sich heraus, dass wir zum Teil ähnliche Situationen durchlebten. Auch sie kämpften mit Haarausfall, undichten Windeln, viel Unmut, Unverständnis und Kritik von Außenstehenden. Diese Geschichte könnte nun viele verschiedene Wendungen nehmen und es gäbe genug unterschiedliche Wege zu beschreiten. Zum einen könnte man natürlich neidisch sein, weil ihre Nächte so viel besser liefen. Zum anderen beschämt, weil ich es an diesem (und vielen anderen) Morgen nicht schaffte, auszusehen wie aus dem Ei gepellt. Oder auch einfach den Weg, sich gegenseitig kennenzulernen, auszutauschen und zu unterstützen. Wir entschieden uns alle für den Weg, einander so anzunehmen, wie wir sind. Es entwickelten sich nun keine tiefen Freundschaften. Es entwickelten sich aber Bekanntschaften. Bekannte, die hin und wieder gemeinsam spazieren gehen oder sich zum Frühstück verabreden. Man muss nicht mit jedermann gut auskommen, sich anfreunden oder austauschen. Aber sich gegenseitig zu akzeptieren ist doch das, was es braucht. Akzeptanz und mehr nicht. Schon einige Male habe ich auf verschiedenen Plattformen gelesen, dass Mütter andere Mütter verurteilen, wenn diese sich beklagen. „Ein Kind ist kein Kind.“ „Warum beklagte sie sich? Sie ist doch nur zu Hause." „Für mich ist Hausarbeit Pause, warum ist sie so gestresst, sie muss ja NUR Haushalt machen und nach dem Kind schauen.“Ich möchte an dieser Stelle sensibilisieren! Ich frage mich, was dahintersteckt, anderen ihre Gefühle abzusprechen. Warum werden Situationen mit dem Wort „nur" kleiner gemacht, als sie sind?Niemand ist „nur" Hausfrau und Mutter. Man ist Hausfrau und Mutter, vielleicht sogar noch Schwester, Tochter, Freundin, Ehefrau und vieles mehr. Mal ist man krank und mal gesund, mal überfordert und manchmal kracht’s. Warum sehen sich einige in der Position, Frauen und ihre individuellen Situationen kleiner zu machen, als sie sind? Warum darf eine Mama mit einem Kind und allem Drumherum nicht überfordert sein, wie eine Mama mit zwei, drei oder fünf Kindern?Wer nicht direkt Zwillinge zur Welt brachte, startete doch auch als Mutter von NUR einem Kind. Und wart ihr da nicht auch überfordert, verunsichert und hättet euch Zuspruch gewünscht?


Mein Appell geht also raus: Bitte Mamas, macht euch nicht stark, indem ihr andere kleinmacht. Jede Situation ist individuell und niemand steckt in der Haut der anderen!



Folge @zieh_dem_kind_doch_socken_an!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Willkommen bei Dad's Chaos Crew!

ADHS bei Kindern: Alltag zwischen Wahnsinn und Wunderkind

Unser Leben mit dem Herzfehler – Kein Drama, nur verdammte Realität