Herzsache: Der Moment, in dem wir endlich atmen konnten
Herzsache: Der Moment, in dem wir endlich atmen konnten
Es gibt Tage, die teilen dein Leben in zwei Hälften: Davor und Danach.
Für uns war das der Tag, an dem wir Eltern wurden – und gleichzeitig in eine Welt geschubst wurden, die sich keiner wünscht. Unser erstes Kind, ein Herzfehler, Krankenhaus statt Kuscheldecke. Keine sanfte Eingewöhnung ins Elternsein, sondern ein Sprung ins eiskalte Wasser.
Willkommen in der Elternschaft – Level: Hardcore
Wir dachten, wir würden mit den typischen Problemen kämpfen: Windeln, Schlafmangel, „Warum schreit der Zwerg jetzt wieder?“. Stattdessen wurden wir zum medizinischen Fachpersonal.
Monatelang lebten wir im Krankenhaus. Klar, wir hatten unsere Elternmomente, aber der Großteil lief über das Klinikteam. Wir waren dabei – aber nicht richtig. Unser Kind war oft sediert, nahm die Welt wie durch einen Filter wahr, und wir? Wir standen daneben, hielten die Luft an und taten so, als hätten wir die Nerven, das alles auszuhalten.
Zuhause? Klingt nach einer tollen Idee… oder?
Dann kam der Tag: Entlassung. Endlich nach Hause! Endlich eine echte Familie sein.
Dachten wir.
Statt Babyglück:
➡️ Ständige Angst, etwas falsch zu machen.
➡️ Medikamente, die unser Kind empfindlich machten wie eine tickende Zeitbombe.
➡️ Eine Sauerstoffsättigung, die an schlechten Tagen bei 68% lag.
Aber aufgeben? Keine Option.
Also funktionierten wir. Irgendwie.
Die schlimmsten Tage unseres Lebens
Dann kam die zweite große OP – die, über die ich in einem eigenen Beitrag schreibe, weil sie uns fast das Herz aus der Brust gerissen hat.
Nur so viel: Sie hat es fast nicht überlebt.
Danach war die Angst vor der „finalen“ dritten OP noch schlimmer. Wir lebten weiter im Dauer-Krisenmodus, während wir nach außen so taten, als hätten wir unser Leben im Griff.
Dann passierte es.
Der Moment, in dem sich alles änderte.
98 Prozent.
Sie wachte aus der Narkose auf.
Zum ersten Mal in ihrem Leben sah sie rosig aus. Nicht blau.
Und dann dieser eine Blick auf den Monitor: 98% Sauerstoffsättigung.
Vorher? Gerade mal 68.
Monate voller Angst. Unzählige schlaflose Nächte. Das permanente Gefühl, dass jeder Tag der letzte sein könnte. Und plötzlich:
98 Prozent.
Zum ersten Mal seit ihrer Geburt hielten wir nicht mehr die Luft an.
Willkommen im echten Leben
Von da an ging es bergauf. Und zwar richtig.
✔️ Urlaub? Geht.
✔️ Ausflüge? Geht.
✔️ Kita? HELL YEAH!!
Und dann der endgültige Beweis, dass wir es geschafft haben:
1️⃣ Sie ist einfach vom Spielen eingeschlafen. Kein Kampf, keine Erschöpfung durch Krankheit – einfach nur ein Kind, das sich ausgepowert hat.
2️⃣ Ihr erster Kita-Tag. Sie stand mit ihrem kleinen Rucksack vor mir, grinsend, bereit, die Welt zu erobern.
Das war der Moment, in dem ich wusste: Jetzt leben wir wirklich.
Was ich anderen Eltern sagen will
Wenn ihr mittendrin steckt – in der Angst, im Krankenhaus, im Überlebensmodus – dann sage ich euch nur eins:
❤️ Glaubt an euer Kind. Kämpft.
Und redet!
Mit eurer Familie, mit Freunden, mit Arbeitskollegen, mit dem verdammten Postboten, wenn’s hilft.
Es wird Menschen geben, die es nicht verstehen. Und Leute, die es nicht verstehen wollen, weil ein schwer krankes Kind nicht in ihre Insta-heile-Welt passt.
Scheiß drauf.
Die, die bleiben, die mit euch kämpfen, die an eurer Seite stehen – die bleiben für immer.
Man sagt, um ein Kind großzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.
Ich kann euch sagen: Für ein Kind mit einem Herzfehler braucht es eine verdammte Armee.
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